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Negativ bestimmte Ziele

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B. Das Phänomen negativ bestimmter Ziele

I. Zum Zielcharakter des Nicht-Wollens Nach den Vorstellungen der klassischen Entscheidungstheorie beschreiben Ziele künftige, gewollte Zustände einer gestaltbaren Realität. Sie liefern damit zugleich Kriterien, unter denen die zur Wahl stehenden Alternativen zu beurteilen sind. Ziele stellen damit „Erfüllungsanforderungen“: Sie postulieren „… Merkmale, die gegeben sein müssen, damit das Ziel als erfüllt gelten kann“. Die Alternativen sind demgegenüber durch ihr Zielerfüllungspotential“ bestimmt, d.h. durch ihre unverwechselbare Eignung, die Ziele zu erfüllen. Die Alternative, die den Erfullungsforderungen des Ziels oder der Ziele „am besten“ (wie immer das auch bestimmt werde) entspricht, wird ausgewählt. Es ist das Wollen des Entscheidungsträgers, das einzelne Eigenschaften der Alternativen positiv bestimmt, als wünschenswert auszeichnet. Diese Perspektive soll hier um ihre konverse Variante ergänzt werden: Der Entscheidungsträger gibt an, was er nicht will, welche Eigenschaften die von ihm auszuwählende Alternative nicht aufweisen soll. So gesehen sind Alternativen nicht nur Erfüllungspotentiale, sondern auch Vermeidungspotentiale. Es ist das Nicht-Wollen des Entscheidungsträgers, das einzelne Eigenschaften der Alternativen negativ bestimmt, als zu vermeidende bezeichnet.

Dabei bleibt der Ziel-Charakter als „genereller Imperativ“ durchaus erhalten: Der Entscheidungsträger will durch seine negative Zielbestimmung nicht etwa eine einzelne Alternative ausschalten, sondern alle, die dem negativ bestimmten Ziel entsprechen, also Eigenschaften aufweisen, die nicht gewollt sind.

Dem Entscheidungs-Praktiker sind negativ bestimmte Ziele wohl vertraut. {Hauschildt, Jürgen [1978] Negativ-Kataloge in Entscheidungszielen: Instrument zur Steuerung von Entscheidungsprozessen; B. Das Phänomen negativ bestimmter Ziele; I. Zum Ziel-Charakter des Nicht-Wollens}

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Written by ehrenpreis

Januar 28, 2011 at 6:17 am

Veröffentlicht in Alltagsphilosophie

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