ehrenpreis

Archive for the ‘Philosophie’ Category

Ist die Künstliche Intelligenz bereit für die Künstliche Ethik?

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Fahrzeuge sind bislang immer gesteuerte Gefährte. Jetzt ändert sich das im Falle des Autos: aus dem Automobil wird das Autonom. Nicht nur die Fortbewegung wird von einer (Kraft-)Maschine geleistet, auch die Steuerung wird von einer (Kalkulations-)Maschine übernommen.
Diese Steuerungsmaschine muss wegen der zu erwartenden komplexen, zufällig wechselhaften Situationen im Straßenverkehr ein Entscheidungsmodul enthalten, das die Fähigkeit hat, Bewertungen vorzunehmen, die im menschlichen Bereich moralisch oder ethisch heißen. Analog zum Begriff der ‚Künstlichen Intelligenz‚ (KI) möchte ich darum von ‚Künstlicher Ethik‚ (KE) sprechen.
Meine Frage: Ist die KI bereit für die KE?

ZEIT-ONLINE
Deutschland: Erstes Treffen der Ethik-Kommission für selbstfahrende Autos

30. September 2016, 13:50 Uhr Quelle: afp

Berlin (AFP) Die Ethik-Kommission für automatisiertes Fahren ist am Freitag im Bundesverkehrsministerium zu ihrer ersten Sitzung zusammengekommen. Sie soll Leitlinien für die Programmierung selbstfahrender Autos entwickeln. Laut Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) solle der Grundsatz gelten: „Sachschaden geht immer vor Personenschaden.“ Vorsitzender der Kommission ist der frühere Verfassungsrichter Udo di Fabio.

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Written by ehrenpreis

Oktober 1, 2016 at 10:49 am

Was tust du, Gertrud?

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Neulich, also vor ein paar Jahren, fragte mich meine Schwester, ob ich verstehen könnte, was die Tauben gurren?
Nein, nicht. Vielleicht so ‚Gurr-gurr-gur‘? Sagt meine Schwester: Wenn du genau hinhörst, dann gurren die Tauben so: ‚waas toost-tu görtruut‘  (Was tust du, Gertrud?)

Probier es aus, es stimmt.

Der Winter ist vorbei und seit einigen Tagen gurren wieder die Tauben vor meinem Balkon.

Und seit neulich kann ich sie alle unterscheiden. So höre ich, dass unter den Tauben, die in diesem Frühjahr bei mir in der Pappel sitzen, andere sind, als die im vorigen Jahr hier waren.

Denn seit ich weiss, ‚was‘ die Taube gurrt, kann ich unterscheiden, ‚wie‘ sie gurrt. Jede hat ihre individuelle Aussprache.
Wäre ich dabei stehen geblieben, die jedenTaube lediglich ‚gang-grrru-guruú-u‘ (http://de.wikipedia.org/wiki/Stadttaube) gurren zu hören, so wäre mir die Unterscheidung schwer, denn ich könnte die Differenz zur Gurre-art (hier brauchts doch einmal den ‚Deppentrennstrich‘) der anderen Taube nicht verstehen.

Differenzen zwischen der Ausdrucksweise beim Sprechen bestimmter Sätze, vor allem von Fragesätzen sind höchst bedeutsam. Wenn meine nicht selten mißlaunige Mutter durch die Wohnung rief: ‚Was tust du, Gertrud?‘ dann wussten auch wir als Geschwister von Gertrud, was die Uhr geschlagen hatte.

Philosophisch gewendet:
Ich habe zwischen dem Taubengurren schon immer Unterschiede wahrgenommen. Tauben gurren mal so und mal so. Seit ich aber dem Taubengurren einen Sinn ablauschen kann, kann ich diese Unterschiede beschreiben, das heißt ich kann die Unterschiede differenzieren.
Unterschied und Differenz. Ich bediene mich einer Erörterung der beiden Begriffe in ‚Nichts und Zeit‘ *).

«Selbstredend ist das, was auf Anhieb Unterschied genannt wurde, genau genommen vielerlei: Verschiedenheit, Kontrast, Divergenz, Disproportion, Distanz, Andersheit, Abweichen und Abheben, Gegensatz, Dissonanz, Dissens, Dissimination usw. usf.»

Erst wenn man die unterschiedlichen Unterschiede ‚heraushören‘ kann, ist man in der Lage, Differenzen zu erkennen und um Unterschiede zu unterscheiden muss man sich denken können, um welche Differenzen es gehen könnte.
Dann entwickelt man eine Theorie – und die muss natürlich falsifizierbar sein. Ob man dann aber seine Theorie wirksam falsifiziert, das hängt davon ab, wie korrupt, rechthaberisch und müde man ist.

*) Schmidt, Hartwig Nichts und Zeit. Metaphysica dialectica – urtümliche Figuren Felix Meiner Verlag Hamburg 2007 ISBN 978-3-7873-1840-7

Written by ehrenpreis

März 10, 2011 at 6:07 pm

Veröffentlicht in Alltagsphilosophie, Konstruktivismus

Das Abfalldilemma

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Informationen über Umweltverschmutzung unterstützen die moderne Doppelmoral, solange sie nicht an den Nahbereich gekoppelt werden. Dadurch, dass sie als Tatsachen präsentiert werden, auf die der Einzelne keinen Einfluss hat, sondern die technisch angegangen werden müssen, wird er der Verantwortung enthoben. Ohne Verantwortung ist er jedoch Gestaltungsmöglichkeiten und seiner Meinung beraubt. Durch diesen Mechanismus betrügt sich die Gesellschaft gut und gerne. Informationen über Umweltverschmutzung dienen dann als Warnung, die nicht zum Umdenken anregt, sondern dazu, dass man den Abfall oder sich selbst rechtzeitig verschieben (flüchten) kann. Der Versuch einer technischen Entlastung hinsichtlich des Abfallproblems muss scheitern, weil man damit das Abfalldilemma zwischen Körperlichkeit und Abstraktion auf die Seite der Abstraktion verschiebt. Dadurch ent fernt man sich noch weiter von den Dingen und produziert noch mehr Abfall. Die Vermutung liegt nahe, dass es modernen Gesellschaften nicht darum geht, das Abfallproblem zu lösen, sondern Unlust, sinnlich unangenehm Erfahrbares, zu vermeiden. Aufrichtig wäre es, sollte wirklich der Wunsch bestehen, das Abfallproblem zu lösen, den Abfall in der körperlichen Nähe zu belassen und damit das Problem anzuerkennen.

Abfall – eine Tatsache ohne Meinung
Doktorarbeit – vorgelegt von Daniel Pick
betreut von PD Dr. Andreas Nebelung
Giessen im Januar 2003

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Februar 3, 2011 at 9:45 am

Veröffentlicht in Alltagsphilosophie, Umweltbewusstsein

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Negativ bestimmte Ziele

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B. Das Phänomen negativ bestimmter Ziele

I. Zum Zielcharakter des Nicht-Wollens Nach den Vorstellungen der klassischen Entscheidungstheorie beschreiben Ziele künftige, gewollte Zustände einer gestaltbaren Realität. Sie liefern damit zugleich Kriterien, unter denen die zur Wahl stehenden Alternativen zu beurteilen sind. Ziele stellen damit „Erfüllungsanforderungen“: Sie postulieren „… Merkmale, die gegeben sein müssen, damit das Ziel als erfüllt gelten kann“. Die Alternativen sind demgegenüber durch ihr Zielerfüllungspotential“ bestimmt, d.h. durch ihre unverwechselbare Eignung, die Ziele zu erfüllen. Die Alternative, die den Erfullungsforderungen des Ziels oder der Ziele „am besten“ (wie immer das auch bestimmt werde) entspricht, wird ausgewählt. Es ist das Wollen des Entscheidungsträgers, das einzelne Eigenschaften der Alternativen positiv bestimmt, als wünschenswert auszeichnet. Diese Perspektive soll hier um ihre konverse Variante ergänzt werden: Der Entscheidungsträger gibt an, was er nicht will, welche Eigenschaften die von ihm auszuwählende Alternative nicht aufweisen soll. So gesehen sind Alternativen nicht nur Erfüllungspotentiale, sondern auch Vermeidungspotentiale. Es ist das Nicht-Wollen des Entscheidungsträgers, das einzelne Eigenschaften der Alternativen negativ bestimmt, als zu vermeidende bezeichnet.

Dabei bleibt der Ziel-Charakter als „genereller Imperativ“ durchaus erhalten: Der Entscheidungsträger will durch seine negative Zielbestimmung nicht etwa eine einzelne Alternative ausschalten, sondern alle, die dem negativ bestimmten Ziel entsprechen, also Eigenschaften aufweisen, die nicht gewollt sind.

Dem Entscheidungs-Praktiker sind negativ bestimmte Ziele wohl vertraut. {Hauschildt, Jürgen [1978] Negativ-Kataloge in Entscheidungszielen: Instrument zur Steuerung von Entscheidungsprozessen; B. Das Phänomen negativ bestimmter Ziele; I. Zum Ziel-Charakter des Nicht-Wollens}

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Januar 28, 2011 at 6:17 am

Veröffentlicht in Alltagsphilosophie

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Kriegsalltag

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28. Januar 1942

Die Winterkälte ist bis auf 20 Grad Minus gesunken. Der Rhein ist zugefroren. Vom 24. zum 25. Januar setzt Schneefall ein in einer Fülle, wie er selten hie erlebt wurde, (nach Radio nicht mehr seit 125 Jahren). Am Sonntag, dem 25. Januar, leidet der Kirchenbesuch darunter sehr. Fast die Hälfte der Kirchenbesucher weniger! Unsere Gedanken und Sorgen sind aber im Osten bei unseren Soldaten, die gegen Feind und schlimmste Kälte ihren Mann stehen. In dieser Woche müssen wir wiederum den Tod dreier braver Jungmänner im Osten melden: Willy Olfen, Ernst Meyer, Joseph van de Laak wurden fern im Osten irgendwo begraben. Gott gebe ihnen den ewigen Frieden. Auch Hrch. Hübbers, ein junger Ehemann, an der Spoy, hinterlässt in Betrübnis Gattin und Eltern.

Licht und Schatten – Chronik von St. Willibrord in Kellen 1933 – 1945
Ein Tagebuch von Pastor Bullmann, Ehrendechant
http://www.heimat-kleve.de/geschichte/bullmann/bullmann.htm

Written by ehrenpreis

Januar 27, 2011 at 10:56 pm

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Der Tisch des Philosophen

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Ein Tisch ist ein Tisch
oder
der Tisch des Philosophen

«Immer derselbe Tisch», sagte der Mann, «dieselben Stühle, das Bett, das Bild. Und dem Tisch sage ich Tisch, dem Bild sage ich Bild, das Bett heißt Bett, und den Stuhl nennt man Stuhl. Warum denn eigentlich?» (*Peter Bichsel, Ein Tisch ist ein Tisch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995.) Mit dem Mut der Verzweiflung bennent der alte Mann in Peter Bichsels Geschichte den Tisch um. Er nennt ihn Teppich. Und den Teppich nennt er Schrank und den Schrank nennt er Zeitung u.s.w.

Es ändert sich nix an der Welt, aber er kann sich mit den anderen Leuten nicht mehr verständigen.

Die Idee, die Gegenstände in seinem Zimmer umzubenennen entspringt einem Mutwillen aus Langeweile und der Beliebigkeit der Namen. Wie Bateson und Jackson einmal bemerkten, »hat die Zahl 5 nichts besonders Fünfartiges an sich und das Wort ›Tisch‹ nichts besonders Tischähnliches« (Bateson, Gregory, Don D. Jackson: »Some Varieties of Pathogenic Organization)«

Das klingt lustig; aber so ganz ohne ist der „Tisch“ nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Written by ehrenpreis

Januar 15, 2011 at 8:42 am

Veröffentlicht in Konstruktivismus, Philosophie

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