ehrenpreis

Adlergestell 1: Spontanes Erfinden

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Wie ein Thriller entsteht. Schritt 1 Ich denk mir eine Geschichte aus

Der Protagonist der Geschichte sei Paul Lohmann, wohnhaft in Berlin-Rudow, so um die 60. Lohmann sei bei einem Fernlehrinstitut beschäftigt; er bearbeite die Hausaufgaben von Studierenden eines Fernlehrgangs. Das könne er in aller Regel vom heimischen Computerarbeitsplatz aus erledigen.

Die Lohmanns – also Paul und seine Frau Greta – wohnten im Südosten von Berlin, nämlich im Ehrenpreisweg in Rudow. Die dreißigjährige Tochter sei in England verheiratet.

Die Geschichte spiele in der Gegenwart.

Paul Lehman findet unter seiner Post einen Brief, adressiert an K. Lehmann in Berlin, die Adresse ist durch Nässe teilweise nicht eindeutig entzifferbar. Flüchtig gelesen könnte man auch Paul Lohmanns Anschrift herauslesen. So erscheint die fehlerhafte Zustellung durch den Briefdienst plausibel.

Lohmann nimmt den Brief an Lehmann mit, als er am frühen Abend in die Stadt fährt. Er hat im Telefonbuch.com die richtige Adresse gefunden. Eine Frau Katarina Lehmann wohnt nicht weit von Lohmann, Straßenname und Postleitzahl könnten stimmen. Lohmann findet die Adresse, ein freistehendes Einfamilien-Haus in einer Neubausiedlung mit vielen kleinen Häuschen von mehr oder weniger geschmackvollem Design, die Besitzer sind anscheinend nicht arm, haben kleine Kinder.

Genau in dem Augenblick, als Lohmann vor dem Haus parkt, gibt es in dem Haus eine gewaltige Explosion, die Fenster werden nach außen gedrückt.

Lohmann ruft sofort die Polizei und nähert sich der Haustür, als eine zweite Explosion erfolgt. Jetzt traut sich Lohmann nicht ins Haus, aber die Feuerwehr und die Polizei kündigt sich schon an und ist eine Minute später am Ort. Lehmanns Personalien werden aufgenommen, L. erzählt von dem Zweck seiner Anwesenheit nichts, er erwähnt den Brief nicht.

Die Feuerwehr bringt mehrere Personen auf Tragen aus dem Haus.

Am nächsten Tag liest Lohmann in der Zeitung, dass die ganze Familie Lehmann, also Frau und Herr Lehmann und ihre zwei Söhne tödlich verletzt wurden. Die Polizei spricht von zwei Sprengsätzen, steht vor einem Rätsel.

Lohmann liest den Brief an Frau Lehmann. Er liest, dass Frau Lehmann bedroht wird. Falls sie nicht auf das Angebot des Absenders einging und wenn sie weiterhin den Keller “zweckfremd nutzen” würde die Familie “den nächsten Urlaub” nicht genießen können.

Der Plot: Lehmanns gehören zu einer Gruppe von Häuslebauern, die die Grundstücke von Adlergestell GmbH&Co, Kg erworben haben. Adlergestellgeschäftsführer Slavko Ziceck weiß, dass der Boden der Grundstücke hochgradig verseucht ist. Die Grundstückskäufer werden mit gefälschten Gutachten getäuscht. Die zuständigen Behörden haben korrupte Mitarbeiter.

Lehmanns schöpfen Verdacht und beginnen im eigenen Keller mit der Entnahme von Bodenproben. Das Aufstemmen des Kellerbodens fällt anderen (bösen) Nachbarn auf und diese benachrichtigen Slavko Ziceck.

(Der Nachbarn, Klaus Schwarze, hat auch Verdacht geschöpft, wollte aber keinen Vermögensverlust riskieren – hat aber aus Angst vor Vermögensverlust der Geschäftsführung den Hinweis gegeben, dass Lehmanns heimlich im Keller Bodenproben sammeln…)

Ziceck ist Mitglied einer osteuropäisch gesteuerten Mafiabande.

Thema ist also organisierte Kriminalität, kommunale Korruption, Nachbarschaftskonflikte.

Mein Manko: weder kenn ich die Immobilienbranche noch Interna der Kriminalpolizei geschweige denn die Strukturen und Gepflogenheiten osteuropäischer Mafiabanden. Auch die Tätigkeit im Stadtrat kenn ich nur vom Hörensagen.

Alles muss ich mir ausdenken.

Der schlimmste Fehler meiner Konstruktion: Lohmann kann gar nicht ermitteln, also Leute ausfragen, Tatorte besichtigen, Indizien sammeln.

Er kann den Plot gar nicht vorantreiben.

Ich muss ganz anders an die Sache rangehen.

Geschrieben von ehrenpreis

Februar 23, 2012 um 8:01 am

Veröffentlicht in How-to-write

Adlergestell oder Wie ich einmal einen Thriller erfinden wollte

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Nehmen wir mal an …

… ich komme eines Tages auf die Schnapsidee, einen Thriller zu schreiben. Nur so, nur für mich. Ob dabei ein Buch entsteht oder ein Hörspiel oder ein Drehbuch ist gleichgültig. Höchstwahrscheinlich entsteht weder das eine noch das andere noch irgendetwas. Aber ich tu mal so, als ob ich einen Thriller schreibe. Hier in meinem Blog schreibe ich auf, wie ich vorgehe und wie ich scheitere.

Geschrieben von ehrenpreis

Februar 4, 2012 um 7:58 pm

Veröffentlicht in How-to-write

Redesituationen und Kuckzweck

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Kleist (1) erzählt die Geschichte so: der  Revolutionär Mirabeau wird im Auftrag des (Noch-)Königs gefragt, wann er mit seinen Leuten der königlichen Anordnung folgen würden, den Sitzungssaal der Ständeversammlung zu verlassen. Kleist: »Ja«, antwortete Mirabeau, »wir haben des Königs Befehl vernommen« – ich bin gewiß, daß er, bei diesem humanen Anfang, noch nicht an die Bajonette dachte, mit welchen er schloß: »ja, mein Herr«, wiederholte er, »wir haben ihn vernommen« – man sieht, daß er noch gar nicht recht weiß, was er will. »Doch was berechtigt Sie« – fuhr er fort, und nun plötzlich geht ihm ein Quell ungeheurer Vorstellungen auf – »uns hier Befehle anzudeuten? Wir sind die Repräsentanten der Nation.«
Und dann zitiert Kleist die mächtigen Sätze, mit denen Mirabeau den königlichen Zeremonienmeister runterputzt.
Kleist weiter: »Man liest, daß Mirabeau sobald der Zeremonienmeister sich entfernt hatte, aufstand, und vorschlug: 1) sich sogleich als Nationalversammlung, und 2) als unverletzlich, zu konstituieren. Denn dadurch, daß er sich, einer Kleistischen Flasche gleich, entladen hatte, war er nun wieder neutral geworden, und gab, von der Verwegenheit zurückgekehrt, plötzlich der Furcht vor dem Chatelet, und der Vorsicht, Raum.«
»Dies ist eine merkwürdige Übereinstimmung zwischen den Erscheinungen der physischen und moralischen Welt, welche sich, wenn man sie verfolgen wollte, auch noch in den Nebenumständen bewähren würde. Doch ich verlasse mein Gleichnis, und kehre zur Sache zurück.«

Mich interessiert, ob Kleist sich an anderer Stelle mit dieser »…merkwürdige(n) Übereinstimmung zwischen den Erscheinungen der physischen und moralischen Welt…« befasst hat.

Einem Mann, dem man aus therapeutischen Gründen die Nervenverbindung zwischen den Gesichtsnerven und dem Gehirn unterbrechen musste konnte weiterhin einwandfrei artikulieren; selbst als man ihn bei einem Test durch einspielen von weißem Rauschen jede akustische Verbindung zu seinen eigenen Sprachäußerungen nahm, artikulierte er normal.
»Das Beispiel zeigt, dass es im Gehirn Nervenzellen gibt, die unabhängig von den äußeren Sinnesimpulsen der Körpereigenwahrnehmung und der akustischen Signale tätig sein können. Solche Nervenzellen sind dann bereit, auf die Impulse des Gehirns stärker einzugehen. Die unglaubliche Selbstorganisationsleistung des menschlichen Gehirns findet in solchen Zellen ihren Ansatzpunkt. Gäbe es diese Zellen nicht, könnten interne Rückkopplungsschleifen ihre Effekte nicht so präzise auslösen, da die angezielten und die anzielenden Nervenzellen mit der externen Informationsverarbeitung bereits weitgehend belegt wären. Die menschliche Sprechmotorik mit ihren steuernden Neuronen stellt einen archimedischen Punkt bzw. ein «archimedisches Netzwerk» für die Weiterentwicklung von Komplexitätsstufen der Kognition dar. Für die Risikoeinschätzung ziehen wir uns auf den Innenraum zurück und schreiben der Außenwelt das Risiko zu.« (2)

Weil wir das, was wir sprechen können auch ohne zu sprechen denken können, sind wir fähig, komplexe kognitive Operationen auszuführen – »nur im Kopf«. (Die Gedanken sind frei!).
Aber solche Gedanken, die wir nicht sprechen können (z.B. weil wir uns die passende Redesituation nicht vorstellen können) können wir auch nicht denken.
Vielleicht schaut mancher, der wenig erlebt, gerne Fernsehen, weil er sich dann Rede-Situationen ausdenken kann, die er sich ohne Fernsehen nicht ausdenken und darum manche komplexe kognitive Operation nicht ausführen kann.

Ich vermute, dass besonders die Werbung diesen Kuckzweck nutzt.

(1) Heinrich von Kleist (1805), Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
(2) Linke, Detlef Bernhard: Religion als Risiko : Geist, Glaube und Gehirn Reinbek bei Hamburg 2003

Geschrieben von ehrenpreis

September 6, 2011 um 9:43 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Was tust du, Gertrud?

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Neulich, also vor ein paar Jahren, fragte mich meine Schwester, ob ich verstehen könnte, was die Tauben gurren?
Nein, nicht. Vielleicht so ‘Gurr-gurr-gur’? Sagt meine Schwester: Wenn du genau hinhörst, dann gurren die Tauben so: ‘waas toost-tu görtruut’  (Was tust du, Gertrud?)

Probier es aus, es stimmt.

Der Winter ist vorbei und seit einigen Tagen gurren wieder die Tauben vor meinem Balkon.

Und seit neulich kann ich sie alle unterscheiden. So höre ich, dass unter den Tauben, die in diesem Frühjahr bei mir in der Pappel sitzen, andere sind, als die im vorigen Jahr hier waren.

Denn seit ich weiss, ‘was’ die Taube gurrt, kann ich unterscheiden, ‘wie’ sie gurrt. Jede hat ihre individuelle Aussprache.
Wäre ich dabei stehen geblieben, die jedenTaube lediglich ‘gang-grrru-guruú-u’ (http://de.wikipedia.org/wiki/Stadttaube) gurren zu hören, so wäre mir die Unterscheidung schwer, denn ich könnte die Differenz zur Gurre-art (hier brauchts doch einmal den ‘Deppentrennstrich’) der anderen Taube nicht verstehen.

Differenzen zwischen der Ausdrucksweise beim Sprechen bestimmter Sätze, vor allem von Fragesätzen sind höchst bedeutsam. Wenn meine nicht selten mißlaunige Mutter durch die Wohnung rief: ‘Was tust du, Gertrud?’ dann wussten auch wir als Geschwister von Gertrud, was die Uhr geschlagen hatte.

Philosophisch gewendet:
Ich habe zwischen dem Taubengurren schon immer Unterschiede wahrgenommen. Tauben gurren mal so und mal so. Seit ich aber dem Taubengurren einen Sinn ablauschen kann, kann ich diese Unterschiede beschreiben, das heißt ich kann die Unterschiede differenzieren.
Unterschied und Differenz. Ich bediene mich einer Erörterung der beiden Begriffe in ‘Nichts und Zeit’ *).

«Selbstredend ist das, was auf Anhieb Unterschied genannt wurde, genau genommen vielerlei: Verschiedenheit, Kontrast, Divergenz, Disproportion, Distanz, Andersheit, Abweichen und Abheben, Gegensatz, Dissonanz, Dissens, Dissimination usw. usf.»

Erst wenn man die unterschiedlichen Unterschiede ‘heraushören’ kann, ist man in der Lage, Differenzen zu erkennen und um Unterschiede zu unterscheiden muss man sich denken können, um welche Differenzen es gehen könnte.
Dann entwickelt man eine Theorie – und die muss natürlich falsifizierbar sein. Ob man dann aber seine Theorie wirksam falsifiziert, das hängt davon ab, wie korrupt, rechthaberisch und müde man ist.

*) Schmidt, Hartwig Nichts und Zeit. Metaphysica dialectica – urtümliche Figuren Felix Meiner Verlag Hamburg 2007 ISBN 978-3-7873-1840-7

Geschrieben von ehrenpreis

März 10, 2011 um 6:07 pm

Veröffentlicht in Alltagsphilosophie, Konstruktivismus

Wir haben abgeschrieben!

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Einen Text so umzuformulieren, dass er ganz anders aussieht, als das Original, aber dessen Inhalt nicht verliert oder verändert – das erfordert viel Anstrengung und Hirnschmalz. Darum ist es sinnvoll, weil zeitsparend, dass Zitate erlaubt sind, sowohl wörtliche (siehe…) als auch sinngemäße (vergl.), aber immer schön mit nachprüfbarer Quellenangabe – und natürlich in Maßen. Und genau da ist der Haken: das zulässige Maß lässt sich nicht immer einhalten: kann ich denn dafür, dass ich so kongenial bin?

Wieviel manchmal kostbare, immer aber teure Arbeitszeit verbringen die Berufsformulierer in unserer Nation wohl damit, Texte umzuformulieren? Bei den Hausaufgaben der Schüler und Studierenden ist solcherlei Zeitvertreib ja von gewissem Nutzen, weil er einen Lerneffekt haben kann.

Aber wie verhält es sich mit den vielfältigen Projektanträgen, Bewerbungen, Partei- und Schulprogrammen, Evaluationsberichten, Gutachten und all dem abgezwungenen Schriftzeug, das originell erscheinen soll aber doch nur die x-te Variante darstellt?

Es braucht dringend eine Kampagne unter dem Motto “Wir haben abgeschrieben!” – nicht nur um unserem Minister Solidarität zu erweisen, sondern um der großen Zeitverschwendung für das Umformulieren entgegenzutreten! (Vergl.)

Geschrieben von ehrenpreis

Februar 19, 2011 um 9:58 am

Veröffentlicht in Cogito

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Das Abfalldilemma

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Informationen über Umweltverschmutzung unterstützen die moderne Doppelmoral, solange sie nicht an den Nahbereich gekoppelt werden. Dadurch, dass sie als Tatsachen präsentiert werden, auf die der Einzelne keinen Einfluss hat, sondern die technisch angegangen werden müssen, wird er der Verantwortung enthoben. Ohne Verantwortung ist er jedoch Gestaltungsmöglichkeiten und seiner Meinung beraubt. Durch diesen Mechanismus betrügt sich die Gesellschaft gut und gerne. Informationen über Umweltverschmutzung dienen dann als Warnung, die nicht zum Umdenken anregt, sondern dazu, dass man den Abfall oder sich selbst rechtzeitig verschieben (flüchten) kann. Der Versuch einer technischen Entlastung hinsichtlich des Abfallproblems muss scheitern, weil man damit das Abfalldilemma zwischen Körperlichkeit und Abstraktion auf die Seite der Abstraktion verschiebt. Dadurch ent fernt man sich noch weiter von den Dingen und produziert noch mehr Abfall. Die Vermutung liegt nahe, dass es modernen Gesellschaften nicht darum geht, das Abfallproblem zu lösen, sondern Unlust, sinnlich unangenehm Erfahrbares, zu vermeiden. Aufrichtig wäre es, sollte wirklich der Wunsch bestehen, das Abfallproblem zu lösen, den Abfall in der körperlichen Nähe zu belassen und damit das Problem anzuerkennen.

Abfall – eine Tatsache ohne Meinung
Doktorarbeit – vorgelegt von Daniel Pick
betreut von PD Dr. Andreas Nebelung
Giessen im Januar 2003

Geschrieben von ehrenpreis

Februar 3, 2011 um 9:45 am

Veröffentlicht in Alltagsphilosophie, Umweltbewusstsein

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Negativ bestimmte Ziele

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B. Das Phänomen negativ bestimmter Ziele

I. Zum Zielcharakter des Nicht-Wollens Nach den Vorstellungen der klassischen Entscheidungstheorie beschreiben Ziele künftige, gewollte Zustände einer gestaltbaren Realität. Sie liefern damit zugleich Kriterien, unter denen die zur Wahl stehenden Alternativen zu beurteilen sind. Ziele stellen damit „Erfüllungsanforderungen”: Sie postulieren „… Merkmale, die gegeben sein müssen, damit das Ziel als erfüllt gelten kann”. Die Alternativen sind demgegenüber durch ihr Zielerfüllungspotential” bestimmt, d.h. durch ihre unverwechselbare Eignung, die Ziele zu erfüllen. Die Alternative, die den Erfullungsforderungen des Ziels oder der Ziele „am besten” (wie immer das auch bestimmt werde) entspricht, wird ausgewählt. Es ist das Wollen des Entscheidungsträgers, das einzelne Eigenschaften der Alternativen positiv bestimmt, als wünschenswert auszeichnet. Diese Perspektive soll hier um ihre konverse Variante ergänzt werden: Der Entscheidungsträger gibt an, was er nicht will, welche Eigenschaften die von ihm auszuwählende Alternative nicht aufweisen soll. So gesehen sind Alternativen nicht nur Erfüllungspotentiale, sondern auch Vermeidungspotentiale. Es ist das Nicht-Wollen des Entscheidungsträgers, das einzelne Eigenschaften der Alternativen negativ bestimmt, als zu vermeidende bezeichnet.

Dabei bleibt der Ziel-Charakter als „genereller Imperativ” durchaus erhalten: Der Entscheidungsträger will durch seine negative Zielbestimmung nicht etwa eine einzelne Alternative ausschalten, sondern alle, die dem negativ bestimmten Ziel entsprechen, also Eigenschaften aufweisen, die nicht gewollt sind.

Dem Entscheidungs-Praktiker sind negativ bestimmte Ziele wohl vertraut. {Hauschildt, Jürgen [1978] Negativ-Kataloge in Entscheidungszielen: Instrument zur Steuerung von Entscheidungsprozessen; B. Das Phänomen negativ bestimmter Ziele; I. Zum Ziel-Charakter des Nicht-Wollens}

Geschrieben von ehrenpreis

Januar 28, 2011 um 6:17 am

Veröffentlicht in Alltagsphilosophie

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Kriegsalltag

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28. Januar 1942

Die Winterkälte ist bis auf 20 Grad Minus gesunken. Der Rhein ist zugefroren. Vom 24. zum 25. Januar setzt Schneefall ein in einer Fülle, wie er selten hie erlebt wurde, (nach Radio nicht mehr seit 125 Jahren). Am Sonntag, dem 25. Januar, leidet der Kirchenbesuch darunter sehr. Fast die Hälfte der Kirchenbesucher weniger! Unsere Gedanken und Sorgen sind aber im Osten bei unseren Soldaten, die gegen Feind und schlimmste Kälte ihren Mann stehen. In dieser Woche müssen wir wiederum den Tod dreier braver Jungmänner im Osten melden: Willy Olfen, Ernst Meyer, Joseph van de Laak wurden fern im Osten irgendwo begraben. Gott gebe ihnen den ewigen Frieden. Auch Hrch. Hübbers, ein junger Ehemann, an der Spoy, hinterlässt in Betrübnis Gattin und Eltern.

Licht und Schatten – Chronik von St. Willibrord in Kellen 1933 – 1945
Ein Tagebuch von Pastor Bullmann, Ehrendechant
http://www.heimat-kleve.de/geschichte/bullmann/bullmann.htm

Geschrieben von ehrenpreis

Januar 27, 2011 um 10:56 pm

Veröffentlicht in Alltagsphilosophie

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Der Tisch des Philosophen

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Ein Tisch ist ein Tisch
oder
der Tisch des Philosophen

«Immer derselbe Tisch», sagte der Mann, «dieselben Stühle, das Bett, das Bild. Und dem Tisch sage ich Tisch, dem Bild sage ich Bild, das Bett heißt Bett, und den Stuhl nennt man Stuhl. Warum denn eigentlich?» (*Peter Bichsel, Ein Tisch ist ein Tisch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995.) Mit dem Mut der Verzweiflung bennent der alte Mann in Peter Bichsels Geschichte den Tisch um. Er nennt ihn Teppich. Und den Teppich nennt er Schrank und den Schrank nennt er Zeitung u.s.w.

Es ändert sich nix an der Welt, aber er kann sich mit den anderen Leuten nicht mehr verständigen.

Die Idee, die Gegenstände in seinem Zimmer umzubenennen entspringt einem Mutwillen aus Langeweile und der Beliebigkeit der Namen. Wie Bateson und Jackson einmal bemerkten, »hat die Zahl 5 nichts besonders Fünfartiges an sich und das Wort ›Tisch‹ nichts besonders Tischähnliches« (Bateson, Gregory, Don D. Jackson: »Some Varieties of Pathogenic Organization)«

Das klingt lustig; aber so ganz ohne ist der “Tisch” nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Geschrieben von ehrenpreis

Januar 15, 2011 um 8:42 am

Veröffentlicht in Konstruktivismus, Philosophie

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